Wien

Flaktürme

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Flaktürme, Wien, Österreich
+ Besichtigung von außen möglich, einfach mit dem öffentlichen Nahverkehr zu erreichen
– Besichtigung von innen nur sehr eingeschränkt

Eine „Sehenswürdigkeit“ die man bestimmt nicht im Reiseführer findet sind die Flaktürme, die die Nazis 1942 bis 1945 errichtet haben. Ich bin durch einen Artikel bei Spiegel Online darauf aufmerksam geworden. Es gibt 3 Turmpaare in Wien die jeweils aus einem Leitturm und dem Gefechtsturm bestehen. Die Besichtigung ist nur teilweise möglich, ich hoffe meine Tipps und Hinweise sind hilfreich, wie immer alles übersichtlich der Reihe nach.

Kurzinfo

Die drei Turmpaare sollten zur Verteidigung gegen Flugzeuge und als Schutzräume für die Bevölkerung dienen. Das funktionierte aber nur einige Zeit, da die Flugzeuge später höher und außer Reichweite der Flak flogen und auch Störmittel abwerfen konnten. Im Wiener Esterházypark steht der zwölfstöckige und 47 Meter hohe Leitturm. Der Leitturm und der Geschützturm im Wiener Augarten stehen beide leer. Die am besten erhaltenen Turmpaare sind im Arenbergpark. Die Türme stehen in einem Dreieck mit dem Mittelpunkt Stephansdom, vielleicht hat man sie als Tourist schon einmal gesehen, konnte sie aber nicht einordnen.

Esterházypark

Wien, Österreich, Leitturm Esterházypark
Leitturm Esterházypark

Der Esterházypark befindet sich im Stadtteil Mariahilf und hier steht der Leitturm vom Gefechtsturm in der Stiftskaserne. Dieser Turm ist 47 Meter hoch und hat eine Masse von 50 250 Tonnen, die Grundfläche beträgt 31 m × 15 m. Das sind beeindruckende Zahlen. Die Mauern haben eine Dicke von 2,50 m und die Schutzdecke über der neunten Etage ist 3,50 m stark. Der runde Gefechtsturm ist mit 47 m Durchmessser und einer Höhe von 45 Meter aber mehr als doppelt so schwer, 132 000 Tonnen Stahlbeton wurden verbaut! Er steht in der Stiftskaserne und kann nicht besichtigt werden.

Wien, Österreich, Leitturm Esterházypark, Haus des Meeres
Leitturm Esterházypark, Haus des Meeres

Der Turm im Esterházypark wurde zu einer Aussichtsplattform umgebaut, die man über eine Stiege mit 192 Stufen erreichen kann. Der Eintritt beträgt 3,–. Im Turm ist das Haus des Meeres untergebracht und da bekam ich die Falschinformation, das diese Aussichtsterasse nur zusammen mit dem Aqua Terra Zoo für 12,90 € besichtigt werden kann. Die Turmstiege wurde erst am 12.07.2011 eröffnet und vielleicht hat es sich bis zum Anfang August 2011 noch nicht rumgesprochen. Ich habe auf den interessanten Ausblick dann leider verzichten müssen. Den Leitturm erreicht man zu Fuß von der Mariahilferstraße / Museumsquatier wenn man die Windmühlgassen entlang geht nach circa 300 Metern.
http://www.haus-des-meeres.at

Führungen im Flakturm

Es gibt am Samstag, Sonntag und Feiertagen jeweils um 14:00 und 16:00 eine Führung, die gut 45 Minuten dauert. Die Führung ist im Zoopreis einbegriffen und man muss sich vor Ort im 9.Stock anmelden. Hier startet dann auch die Führung. In der 10. Etage gibt es eine Dauerausstellung mit mehr Informationen und einem Kurzfilm aus Wochenschauzusammenschnitten dieser Zeit.

Arenbergpark

Wien, Österreich, Informationstafel im Arenbergpark
Informationstafel im Arenbergpark

Den Arenbergpark erreicht man mit dem Bus 4A vom Karlsplatz aus nach ein paar Minuten, die beiden Türme sind aber leider nicht direkt vom Bus aus zu sehen. Die Station nennt sich Ziehrerplatz.

Gefechtsturm Arenbergpark

Wien, Österreich, Gefechtsturm Arenbergpark, MAK Gegenwartskunstdepot
Gefechtsturm Arenbergpark, MAK Gegenwartskunstdepot

In dem Gefechtsturm Arenbergpark ist das MAK Gegenwartskunstdepot untergebracht, wo man auf 4000 qm Fläche Kunstgegenstände sehen kann. Es ist nur am Sonntag vom 1. Mai bis 27. November in der Zeit von 14:00 bis 18:00 geöffnet. Der Eintritt kostet 5,50 €.
http://www.mak.at

Die Ausführung vom Gebäude ist extrem massiv, das Gesamtgewicht beträgt 178 400 Tonnen! Die Grundfläche 47 m × 47 m und die Höhe 42 m. Man kann sonst nichts weiter interessantes entdecken.

Wien, Österreich, Gefechtsturm Arenbergpark
Gefechtsturm Arenbergpark

Leitturm Arenbergpark

Wien, Österreich, Leitturm Arenbergpark
Leitturm Arenbergpark

Der Leitturm ist nicht zu besichtigen, die städtische Gärtnerei nutzt ihn aber teilweise als Lagerraum. Ich hatte Glück und es waren ein paar Arbeiter vor Ort und ich konnte einen Blick hineinwerfen. Es ist sehr dunkel in den Räumen und alles ist noch erstaunlich gut erhalten. Die Schrift an den Wänden war noch original. In den oberen Stockwerken soll noch eine Küche komplett erhalten sein, eine private Führung war natürlich leider nicht möglich.

Wien, Österreich, Leitturm Arenbergpark
Leitturm Arenbergpark

Diese Turm ist im Vergleich zum Gefechtsturm mit 62 800 Tonnen Gewicht wesentlich leichter, die Grundfläche beträgt 38 m × 19 m, die Höhe 39 Meter.

Gefechtstürme Augarten

Wien, Österreich, Gefechtsturm Augarten
Gefechtsturm Augarten

Das dritte Paar steht im Augarten im Norden der Stadt, die Besichtigung ergab sich im Juni 2012. Die Anreise geht am einfachsten mit der Straßenbahn / Tram Linie 31 die z.B. ab Schottenring direkt an der Donau abfährt, von dort sind es nur 2 oder 3 Stationen, je nachdem wo man aussteigen möchte, die Bahnlinie führt direkt am Park vorbei. Der Park ist wesentlich größer und so bekommt man einen freien Blick auf diese Betonklötze. Die beiden Gebäude hier werden nicht genutzt und stehen leer und können leider von Innen nicht besichtigt werden. Es sind die letzten Türme dieser Art, die von Juli 1944 bis Januar 1945 errichtet wurden, eine beeindruckende Leistung in dieser kurzen Zeit.

Wien, Österreich, Leitturm Augarten
Leitturm Augarten

Der Leitturm befindet sich am Ende einer Baumallee und ist teilweise von den Bäumen verdeckt. Der Park wird von den Bürgern der Stadt Wien genutzt und kaum von Touristen besucht. Der Biergarten Bunkerei bietet ein nettes Ambiente mit Getränken und Speisen zu vernünftigen Preisen. Ein Cappuccino gab es im Jahr 2012 für 3,– und ein Kaiserschmarren für 5,80 €.
http://www.bunkerei.at

Internet

http://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Flaktürme

Fazit

Die Besichtigung ist sehr empfehlenswert, nur Bilder zu sehen und die Daten zu bestaunen reicht nicht um den Unfug zu glauben. Der militärische Sinn war ja schon bei Baubeginn nicht mehr wirklich vorhanden, Größenwahnsinn pur! Ein Abriss der Türme dürfte extrem teuer und schwierig sein, sie werden wohl noch ein paar Jahre dort stehen bleiben....Wenn man nur Zeit für ein Turmpaar hat würde ich die im Augarten empfehlen, da sie wegen der fehlenden Bebauung am besten sichtbar sind.